Dienstag, 31. Mai 2016

"Kleine Kinder, kleine Sorgen....

...große Kinder, große Sorgen!" 

Das ist so ein beknacktes Sprichwort! Wer kommt denn auf so etwas?

 
Nun ja, das Prinzip dahinter verstehe ich ja. Was kann so ein Säugling schon groß anstellen? Außer ein paar durchwachter Nächte und voller Windeln... warte erst mal, bis sie XX Jahre alt sind, dann...

Unser erstes Kind hat die Nächte durchgebrüllt. Einfach so. Nicht zu beruhigen. Der Haushalt lag brach, weil ich als Mami nach ein paar Wochen nur noch auf dem Zahnfleisch ging. Der ziemlich hohe Blutverlust bei der Geburt brachte meinen Kreislauf für Monate zum Erliegen und gut meinende Leute meinten, ich solle mich einfach mal so richtig ausschlafen. Ja nee, is klar!

 Zwei Jahre später kam Nummer 2. Wir dachten: Wir haben das mit dem ersten Baby auch irgendwie überlebt, viel schlimmer kanns gar nicht werden. Es wurde viel schlimmer. Denn der Knabe schrie nicht nur nachts... Rückblickend glaube ich, dass ich das erste Jahr mit 2 Kindern immer so kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. Kleine Kinder, kleine Sorgen... Ja nee, is klar!

Inzwischen sind wir über dieses Stadium hinaus. (Was ich nicht bedaure!) Und neue Sorgen haben uns geplagt. Manche davon können wir heute belächeln. Bei anderen kommen mir jetzt noch die Tränen. Sie haben eines gemein:


Sie legen unser Herz bloß, machen uns hilflos und unendlich klein. Dabei haben Eltern doch immer alles unter Kontrolle! Gefälligst!


Wir sehen um uns herum viele Eltern, deren Kinder ihnen echte, existenzielle Sorgen machen! Da sind kleine Kinder sterbenskrank. Da haben sie Unfälle und furchtbare Erlebnisse. Sie sind so winzig und bedürfen so viel Nähe und Schutz und nicht immer können wir ihnen geben, was sie brauchen. Kleine Kinder, kleine Sorgen? Ja nee, is klar!

Manche unserer Freunde und Bekannten sind (wie wir) bereits im Genuss von Teenagern. Pubertät, die Achterbahn der jungen Jahre. Wir haben erlebt, wie diese Kinder mit ihrer Rolle als Fasterwachsene und Nochkinder hadern und straucheln. Wie sie Blödsinn verzapfen, die Schule hinschmeißen, zündeln (und dabei fast ums Leben kommen), beim Klauen erwischt werden, das Auto zu Schrott fahren, wegen Alkoholmissbrauchs in der Klinik landen. Mein Mann war lange Zeit Gemeindepastor. Er hat blutjunge Menschen beerdigt, die sich selbst das Leben nahmen und denen das Leben genommen wurde. Ist es insofern nicht berechtigt zu sagen, dass große Kinder auch große Sorgen machen?

Was ist denn groß und was ist klein?
Ich glaube nicht, dass die Sorgen selbst eine andere Größe haben. Denn wer will das abwiegen?
Ist ein todkranker Säugling schlimmer als ein Teenager mit Depressionen und Suizidgedanken?

Vielleicht liegt es daran, dass wir als Eltern hoffen, unsere Kinder zu prägen, sie auf die richtige Spur zu setzen. Ihnen einen Start ins Leben zu ermöglichen, der ihnen die Welt öffnet.
Durchwachte Nächte sind normal... für Eltern mit Säugling. Das ist eben so. Da hat jeder Verständnis (und ein paar tolle Tipps).
Durchwachte Nächte mit einem Teenager sind nicht so normal. wenn die Koliken vom Alkohol und nicht von zu viel Luft im Darm kommen... 

Dann kommt zu der reinen Sorge, um das Wohl unserer Kinder noch etwas anderes: Die Angst versagt zu haben. Etwas falsch gemacht zu haben. Die Kids entgleiten unseren Armen (und das muss auch so sein) aber wir haben keine Kontrolle mehr, wohin sie gleiten.

Bianca Bleier hat in einem Artikel mal einen Satz geschrieben, der mir oft einfällt, wenn ich meine Kids nicht mehr verstehe und sie mir (und sich selbst) das Leben scheinbar absichtlich schwer machen: Teenager muss man mit Liebe zuscheißen!

Wenn nix mehr geht und sie einfach nur ätzend drauf und die Eltern saublöd und nervig sind... dann hilft es ungemein, wenn man weiß, dass Wörter da rein und da raus gehen. Aber eine Umarmung, ein kleiner Zettel beim Pausenbrot, ein freundlicher Nasenstüber oder eine gemeinsame Zeit auf dem Sofa diesen kleinen und großen Kerlchen signalisieren, was sie für immer in ihr Herz geschrieben haben sollen:

Du bist zu Hause! Und hier bist Du geliebt mit (und manchmal auch trotz) Deiner Ecken und Kanten!!! Ganz und gar. Jede Faser Deines Seins!

Kleine Sorgen? Das ist sowas wie: Ach du liebes Lieschen! Ich hab die Eier vergessen!
Große Sorgen? Ja, das gehört zum Elternsein dazu...


Ach ja... und war da nicht noch etwas zum Thema SORGEN?
Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. 1Petr 5,7


PS: Der Kerl auf dem Foto ist heute Teenager und wohlauf. Damals haben sie "Unfall" gespielt. Einer legt sich mit dem Rad auf den Boden und der andere kommt mit dem Bobbycar und rettet! Nur damit sich niemand wundert, wieso die Mutter seelenruhig Fotos schießt, während das Kind gerade verunglückt ist...





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