Samstag, 21. März 2015

Von Autos und Männerfieber

Ich bin ja jetzt auch seit letztem Jahr Kolumnistin. Für ein Magazin. Ein Männermagazin. Eines ganz ohne Fitness-Checks und Aufreißmaschen. Neee, knackige und ehrliche Themen sollen da angegangen werden. Von Männern - für Männer. MOVO

Ich bin da quasi so was wie die Quotenfrau. Meine Jobbeschreibung lautet: Texte schreiben, die die Männer ein bissle auf die Schippe nehmen. So die typischen Männerthemen soll ich mal beleuchten. Nur eben aus Frauensicht. Also die Kerle mit Augenzwinkern durch den Kakao ziehen.

Für ein Frauenmagazin zu schreiben, kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Aber Männer? Hey, ich lebe mit drei Prachtexemplaren unter einem Dach! Ich liebe meine Männer! Klar kann ich über die schreiben!

Ich schrieb also letztes Jahr im Sommer meinen ersten Artikel. Und zwar über Männer und Autos. Dann ließ ich meinen Mann gegenlesen, schließlich wurde er darin erwähnt. Und dann schickte ich das Ding an die Redaktion. Bis dato dachte ich, das ganze sei eine einmalige Geschichte. Ich hatte mir das so vorgestellt, dass ich eben dieses Mal schreiben darf, in der nächsten Ausgabe dann irgend eine andere Quotenfrau. Dann bekam ich die Belegexemplare der ersten Ausgabe. Und da stand dann plötzlich: SERIE: Claudia wundert sich


Und das hat sie sich wirklich, die Claudia! Gewundert.


Im Oktober 2014 bin ich also zur Kolumnistin berufen worden. Ich hatte plötzlich eine eigene doppelseitige Kolumne in einem Männermagazin.
Sehr chick!



Bis der erste Leserbrief eintrudelte.

 "Sehr geehrte Frau Weiand,
ganz hinten, in MOVO, einer neuen Zeitschrift für Männer, finde ich Ihren Beitrag. Der einzige Beitrag einer Frau. [...]
Angeblich wollen Männer immer teure Neuwagen, sie geilen sich am Geruch der Wagen auf, zwischen Männern und Autos gibt es eine „Symbiose“ usw. usw.  Sie benennen dabei Männer als „Typen“ und „Kerle“ und „rotwangig, dämlich grinsend mit feuchten Augen“.  Beweisgrundlage sind ein Mann, zwei pubertierende Kinder und die Männer, die Sie in Ingolstadt beim Autokauf gesehen haben. Ist das nicht etwas wenig für ein Urteil über die Männer? Besonders, wenn man Klischees „ziemlich bescheuert“ findet!

Sie kennen angeblich keine Frau, die schon als Kind Hubraum von PS unterscheiden konnte. Na, ja. Physik-Grundkenntnisse gehören zur Allgemeinbildung, die man auch bei Leuten voraussetzen kann, die kein Gymnasium besucht haben. Ich kenne jedenfalls etliche Mädchen und Frauen, die physikalische Maßeinheiten und Dimensionen ganz gut auseinanderhalten können.
Deshalb verbietet es sich für mich auch, als Replik auf ihr wenig intelligentes Geschreibsel von „dummschwätzenden Weibern“ zu reden.
Eigentlich müsste ich mich gar nicht mit Ihrem Artikel auseinandersetzen. Wenn er nicht ausgerechnet als einziger Beitrag einer Frau in einer Männerzeitschrift stünde."


Autsch! Da hat jemand zwar den kompletten Artikel gelesen, aber leider meinen Humor nicht verstanden.

Allerdings meldeten sich durchaus auch Männer bei mir, die herzlich darüber lachen konnten. Manche hatten sich wiederentdeckt. Andere fühlten sich der Sorte Mann, über die ich schrieb nicht zugehörig, konnten aber jedes Wort bestätigen! Frauen fanden den Beitrag klasse ...

Für die zweite Ausgabe schrieb ich über ein weiteres Ding, dass ich für typisch männlich halte: Männerfieber! Das Phänomen, dass Männer bei etwas, was Frauen unter "leichte Erkältung" abheften, quasi kollabieren.



Das Magazin erschien im Februar und es trudelten bereits Reaktionen auf den Artikel bei mir ein, bevor ich überhaupt die Zeitschrift in meinen Händen hielt.
Außerdem ließ mir der Redakteur folgende Zeilen zukommen:

"Leider muss ich dem Frank Mikolajczak in seinem Leserbrief, der am Anfang der Ausgabe 1/2015 steht, zustimmen. Alles passt, aber auf den Beitrag von Claudia Weiand kann getrost verzichtet werden. Das was sie in den Zeilen vom Stapel lässt hat, so meine Meinung, in MOVO nichts zu suchen. Provokation in dem Stil brauche ich nicht und kann daher in Zukunft auf diese Zeitschrift verzichten. Empfehlung: Schuster bleib bei deinen Leisten oder übertragen: Frau Weiand bleib bei den Kinderbüchern, ich denke das passt besser."



Tja. Da ist man Kolumnistin geworden und hat vom männlichen (!) Redaktionsteam den Auftrag bekommen, zwei volle Seiten über Männerzeugs zu schreiben. Möglichst mit spitzer Feder und es darf ruhig ein bisschen provozieren... Die Männer in der Redaktion lachen sich schlapp, die Leser... ähm ... nicht alle.

Der neuerliche Höhepunkt war folgender Zeitungsartikel.
Alles super, aber wegen der Weiand verlieren sie die ersten Abonnenten.

Liegt es an der letzten Überschrift? "Warum seid Ihr solche Heulsusen?"
Da kann ich ja gar nix dafür! Die haben sich die Kerle (!) in der Redaktion ausgedacht!

Vielleicht hatte der eine oder andere Leser aber auch einfach einen akuten Fieberschub, während er meine Zeilen las. Das kann ich dann allerdings wieder gut verstehen. Wenn ich ordentlich krank bin, kann ich auch nicht über Witzchen über meinen Zustand lachen. Ich bitte herzlich um Entschuldigung und darum, den Artikel nach Genesung erneut zu lesen. Vielleicht ist er dann besser bekömmlich.

Eine Freundin (Ärztin mit einem Arzt verheiratet) schrieb mir:

"...ich habe schon lange nicht mehr so gelacht. Herzlichen Dank. Auch wir hatten im Hause mehrere Wochen das Männerfieber. Vielleicht könntest du dich darüber habilitieren?"
 
Vorgestern erreichte mich folgende Mail:

"Habe Ihren Artikel in der aktuellen MOVO-Ausgabe 1/2015 gelesen und habe mich dabei sehr amüsiert. Da ich grade auch erkältet bin, geht es mir und meiner Frau ähnlich wie in Ihrem Artikel. Die wissenschaftliche Erklärung ist mit Sicherheit gut, aber wir Männer könnten uns ab und an doch mehr zusammenreißen."

Und das landete über Facebook bei mir:



Alles in allem habe ich in den letzten Wochen einfach gestaunt, wie schnell man Menschen, die ich nicht kenne und die mich nicht kennen, auf den Schlips treten kann. Au weia! Eigentlich sollten die zwei Seiten einfach ein nettes Lesevergnügen sein. Zum Schmunzeln und gerne auch zum Augenrollen. Man darf bei einer Zeitschrift auch einzelne Artikel einfach nicht lesen. Weil man den Autor nicht mag. Oder das Thema. Oder beide!

Na, sei´s drum. Ich habe dazugelernt. Mir geht auf, was für ein dickes Fell man sich zulegen muss, wenn man schreibt. Dass man es unmöglich allen recht machen kann. Oder man darf gar nicht schreiben. (Das würde ggf. so manchen freuen.)
Und ich habe mich gefragt: Wenn da über der Kolumne "Karl wundert sich" stünde, würden die Reaktionen auch so ausfallen?


Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich finde es richtig, dass man nicht alles, was gedruckt wird, auch gut finden muss. Dass man sich über Humor streiten kann, ist mir ebenso bewusst. Und: Ja, Sie dürfen meine Schreibe auch einfach blöde finden! Aber so lange die Redaktion der Zeitschrift findet, dass Claudia sich gefälligst weiter wundern soll, tue ich das.

Ich will gar nicht so genau wissen, was da alles in den Redaktionen der Welt für Schmähbriefe landen. Wie gut, dass ich nicht auch noch Karikaturen veröffentliche!

P.S.: Falls Ihr mal einen Artikel lest, den Ihr so richtig, richtig gut findet: Lasst es doch die Zeitungsredaktion, den Blogger, den Journalisten oder wen auch immer einfach wissen! Ich weiß, das ist ganz schön hart, weil wir ja Deutsche sind. Wir können uns wunderbar beschweren, aber für ein Lob muss man sich doch nicht extra an den Schreibtisch setzen! DOCH, muss man!



Keine Kommentare:

Kommentar posten